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21.06.2018 23:41eingestellt von: Mario Schuller


Immer mehr Radfahrer fahren auf Gehwegen

Auf dem BĂŒrgersteig fahrende Radfahrer sieht man zunehmend hĂ€ufiger – auch im Stadtgebiet RĂŒsselsheims. GrĂŒnde mag es hierfĂŒr viele geben: enge und stark befahrene Straßen, abgekĂŒrzte Wege ĂŒber PlĂ€tze, die Nutzung von FußgĂ€ngerampeln oder schlichtweg ein GefĂŒhl grĂ¶ĂŸerer Sicherheit fĂŒr den Radfahrenden. Doch die Entwicklung gibt Anlass fĂŒr Besorgnis, finden der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Kreis Groß-Gerau und die ehrenamtliche Radverkehrsbeauftragte der Stadt Brit Scherer, denn Radfahrende auf Gehwegen verlagern mögliche Konflikte und UnfĂ€lle zu den schwĂ€chsten Verkehrsteilnehmern: den FußgĂ€ngern.

BĂŒrgersteige sind nur fĂŒr FußgĂ€nger da. Diese langsameren und ungeschĂŒtzten Verkehrsteilnehmer brauchen einen vom Autoverkehr abgetrennten Bereich, um sich sicher fortbewegen zu können. „FußgĂ€nger bewegen sich, anders als Autofahrer und Radfahrer nicht zielgerichtet. Sie bleiben unvermittelt stehen, sie Ă€ndern die Richtung; sie sind nicht immer berechenbar“ erklĂ€rt Mario Schuller, Vorsitzender ADFC Kreis Groß-Gerau. Dadurch kann ein Radfahrender, der auf dem BĂŒrgersteig fĂ€hrt, schnell mit einem FußgĂ€nger zusammenstoßen – was durchaus fĂŒr beide zu ernsten Folgen fĂŒhren könnte.

Gehwege bieten auch sichere Bereiche fĂŒr die Verkehrsteilnehmer, welche am meisten Schutz brauchen: Kinder, Senioren und Menschen mit Behinderung. Diese mĂŒssen genauso vor den deutlich schnelleren Radfahrenden geschĂŒtzt werden.

Auch deshalb steht in der Straßenverkehrsordnung, dass Radfahrer auf der Straße fahren mĂŒssen. Das Fahren auf dem Gehweg ist dem Radfahrenden hingegen untersagt. Nur ausnahmsweise wird ein Gehweg durch ein besonderes Schild auch fĂŒr den Radfahrenden gestattet. „Radfahrer frei“ bedeutet aber, dass der FußgĂ€nger bevorrechtigt ist, der Radfahrende RĂŒcksicht nehmen und Schrittgeschwindigkeit fahren muss, auch wenn kein FußgĂ€nger auf dem Gehweg unterwegs ist.

Radfahren auf dem Gehweg ist gesetzlich verboten. Ausnahmen: Kinder bis acht Jahre mĂŒssen, Kinder bis zehn Jahren dĂŒrfen den BĂŒrgersteig mit dem Fahrrad befahren. Seit Ende 2016 ist es außerdem erlaubt, dass Personen, die mindestens 16 Jahre alt sind, Kinder auf dem Gehweg mit dem Fahrrad begleiten. FĂŒr alle anderen gilt: Wer bei einer solchen Ordnungswidrigkeit erwischt wird, muss hierfĂŒr ein Bußgeld zahlen. Dieses liegt, je nachdem ob hierbei auch andere Verkehrsteilnehmer behindert oder sogar in einen Unfall verwickelt werden, zwischen 10 und 25 €. Finanziell wesentlich schmerzlicher können fĂŒr Radfahrende auf dem Gehweg bei einem Unfall die Haftungsfolgen sein.

„Vielen Radfahrern scheint gar nicht bekannt zu sein, dass sie nicht auf dem Gehweg fahren dĂŒrfen oder ihnen ist ihre eigene gefĂŒhlte Sicherheit wichtiger“ vermutet Mario Schuller. Dass Radfahren auf dem Gehweg sicherer fĂŒr den Radler ist, stimmt aber gar nicht.

Radfahren auf dem BĂŒrgersteig birgt zahlreiche Gefahren. Auf dem BĂŒrgersteig direkt sind vor allem HausausgĂ€nge sowie Ein- und Ausfahrten ein Problem. FußgĂ€nger treten unvermittelt auf den BĂŒrgersteig und Autos queren diesen, dabei werden Radfahrende schnell ĂŒbersehen. Auch FußgĂ€nger selbst, die auf dem BĂŒrgersteig auch mal anhalten, ein SchwĂ€tzchen halten, in ein Schaufenster gucken oder einfach die Richtung Ă€ndern, können schnell mit einem hier fahrenden Radler kollidieren, hierbei kann sich auch der Radfahrende verletzen. Insbesondere beim Queren von einmĂŒndenden Straßen werden Radfahrende, die deutlich schneller unterwegs sind als FußgĂ€nger, von abbiegenden Autos regelmĂ€ĂŸig nicht wahrgenommen – gerade beim Rechts- und Links-Abbiegen passieren die meisten UnfĂ€lle zwischen Radfahrern und Autos. GefĂ€hrlich ist auch das bei Radfahrenden mittlerweile hĂ€ufig praktizierte „Wechseln“ zwischen Fahrbahn und BĂŒrgersteig – hierbei tauchen sie fĂŒr den Autofahrer genau wie fĂŒr den FußgĂ€nger plötzlich und unerwartet auf der VerkehrsflĂ€che auf. FĂŒr ein Ausweichen kann es dann bereits zu spĂ€t sein.

Gottseidank zeigt die offizielle Unfallstatistik nur wenige der Polizei gemeldete UnfĂ€lle zwischen Radfahrern und FußgĂ€ngern in RĂŒsselsheim auf. Damit dies so bleibt, empfiehlt die Radverkehrs-beauftragte Brit Scherer: „Radfahrende werden auf der Fahrbahn vom Kfz-Verkehr am besten wahrgenommen - vor allem an Kreuzungen, EinmĂŒndungen und Ausfahrten. Hier fahren Radfahrende auf der Fahrbahn sicherer als man denkt. In Tempo 50-Bereichen wird der Radverkehr im Idealfall auf Schutzstreifen oder Radfahrstreifen gefĂŒhrt.“ Dies ist auch das Fazit zahlreicher wissenschaftlicher Studien zu diesem Thema. Der ADFC setzt sich bereits seit Jahren fĂŒr die Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht innerorts ein und fordert, Radfahrer auf der Fahrbahn fahren zu lassen.

Die Entwicklungen der letzten Zeit fĂŒhren bedauerlicherweise genau zum Gegenteil. Der ADFC Kreis Groß-Gerau und die Radverkehrsbeauftragte appellieren deshalb an alle Radfahrer in ihrem eigenen Interesse und im Interesse der FußgĂ€nger, nicht auf dem BĂŒrgersteig zu fahren.

 

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