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27.04.2020 00:59eingestellt von: Mario Schuller


Die neue StVO: Das hat sich geÀndert

Am 28. April tritt die neue Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) in Kraft. Das Bundesverkehrsministerium hatte sich vorgenommen, durch die Novelle Sicherheit und Komfort fĂŒr Radfahrende deutlich zu erhöhen. Nach EinschĂ€tzung des ADFC ist das zum Teil gelungen.







Das Ă€ndert sich fĂŒr Autofahrende – in Bezug auf den Radverkehr

MindestĂŒberholabstand 1,50 m ist Pflicht
Autofahrende mĂŒssen Radfahrende mit mindestens 1,50 Metern Sicherheitsabstand ĂŒberholen. Außerorts sind es sogar zwei Meter. Das galt zuvor schon durch Gerichtsentscheidungen, steht jetzt aber ausdrĂŒcklich in der StVO. Die Regelung gilt nach der GesetzesbegrĂŒndung unabhĂ€ngig davon, ob Radfahrende auf der Fahrbahn, auf Schutzstreifen, Radfahrstreifen oder geschĂŒtzten Radfahrstreifen („Protected Bikelanes“) unterwegs sind. Faktisch bedeutet diese Regel ein Überholverbot an Stellen, die nicht die notwendige Breite haben. Das wissen die meisten Autofahrenden nicht, deshalb fordert der ADFC eine AufklĂ€rungskampagne zur neuen StVO und die schnelle Entwicklung von geeigneter VerkehrsĂŒberwachungstechnik.

Radwege zuparken wird teurer
FĂŒr das Parken auf Geh- und Radwegen gelten höhere Bußgelder. Die bisherigen Bußgelder von 15 bis 30 Euro werden auf 55 bis 100 Euro erhöht. Erstmals gibt es fĂŒr ParkverstĂ¶ĂŸe mit Behinderung zusĂ€tzlich einen Punkt in Flensburg. Auch andere ParkverstĂ¶ĂŸe werden teurer, beispielsweise in zweiter Reihe und auf Straßenbahnschienen. Weil das Zuparken von Radwegen ein gefĂ€hrliches MassenphĂ€nomen ist, fordert der ADFC eine deutlich höhere Kontrolldichte der Behörden bis hin zur Bereitschaft, behindernde Falschparker konsequent abschleppen zu lassen.

Gedankenloses Abbiegen und TĂŒr-Aufreißen wird teurer
Wenn Autofahrende ohne Schulterblick abbiegen oder die TĂŒr aufreißen, kann das fĂŒr Radfahrende tödlich enden. Deshalb werden die Bußgelder deutlich erhöht. Wer als Autofahrender beim Abbiegen eine Person auf dem Rad gefĂ€hrdet, muss mit einem Bußgeld von 140 Euro statt wie bisher 70 Euro rechnen – und einem Monat Fahrverbot. Wer beim Aussteigen unaufmerksam die AutotĂŒr öffnet und damit eine Radfahrerin oder einen Radfahrer gefĂ€hrdet, zahlt ebenfalls mehr: 40 statt 20 Euro.

Halten auf Schutzstreifen ist verboten
Bisher durften Kraftfahrzeuge auf sogenannten Schutzstreifen bis zu drei Minuten halten. Gemeint sind Fahrbahnmarkierungen fĂŒr den Radverkehr mit gestrichelter Linie und Fahrradsymbol. Das Halten auf diesen Streifen ist mit der neuen StVO jetzt verboten.

Schrittgeschwindigkeit beim Abbiegen fĂŒr Lkw
Um AbbiegeunfĂ€lle zu vermeiden, dĂŒrfen Lastkraftwagen ĂŒber 3,5 Tonnen nur noch mit Schrittgeschwindigkeit rechts abbiegen. Das Schritttempo von 4 bis 7 km/h gibt dem Lkw-FĂŒhrenden mehr Zeit, die Abbiegesituation zu ĂŒberblicken. Das Bußgeld fĂŒr die Missachtung betrĂ€gt 70 Euro, dazu kommt ein Punkt im Fahreignungsregister. Der ADFC hat sich fĂŒr diese Regelung stark gemacht, weil UnfĂ€lle mit rechtsabbiegenden Lkw hĂ€ufig sind und besonders schwere Folgen haben.

Das Ă€ndert sich fĂŒr Radfahrende

Nebeneinanderfahren ist erlaubt
Mit der StVO-Novelle ist es jetzt ausdrĂŒcklich erlaubt, dass man zu zweit nebeneinander mit dem Rad fahren darf. Anderer Verkehr darf dadurch zwar nicht behindert werden, aber solange genug Platz zum Überholen ist, ist keine Behinderung gegeben. Bislang lautete die Grundregel: Mit FahrrĂ€dern muss einzeln hintereinander gefahren werden.

GrĂŒnpfeil fĂŒr den Radverkehr
Mit der neuen StVO kommt als neues Verkehrszeichen der GrĂŒnpfeil fĂŒr den Radverkehr. Es erlaubt das Rechtsabbiegen bei roter Ampel fĂŒr Radfahrende nach vorherigem Anhalten. Entsprechende Verkehrszeichen sind bereits in Frankreich, Belgien und den Niederlanden zur Beschleunigung des Radverkehrs erfolgreich im Einsatz, dort sogar ohne Anhaltepflicht. Der schon bekannte GrĂŒnpfeil fĂŒr den Autoverkehr gilt auch fĂŒr den begleitenden Radweg, stellt die neue StVO klar.

Auch Jugendliche und Erwachsene dĂŒrfen im Lastenrad mitfahren
Bisher durften in Deutschland nur Kinder bis sieben Jahre im Lastenrad mitgenommen werden. Ab sofort dĂŒrfen auch Menschen jenseits des Kinderalters auf FahrrĂ€dern mitgenommen werden, die zur Personenbeförderung gebaut und entsprechend eingerichtet sind.

Gehwegradeln wird teuer
Zum Schutz von FußgĂ€ngern wird das Bußgeld fĂŒr regelwidriges Radfahren auf Gehwegen von 10 bis 25 Euro auf 55 bis 100 Euro erhöht. Der ADFC weist seit Langem darauf hin, dass das Radfahren auf Gehwegen rĂŒcksichtslos und gefĂ€hrlich ist. Gleichzeitig bekrĂ€ftigt er die Forderung nach durchgĂ€ngigen QualitĂ€tsradwegenetzen, denn wenn Radfahrende auf Gehwege ausweichen, ist das oft auf fehlende oder schlechte Radinfrastruktur zurĂŒckzufĂŒhren.

Neue Verkehrszeichen

Überholverbot von Radfahrenden
Mit dem neuen Verkehrszeichen „Überholverbot von einspurigen Fahrzeugen“ ist es mehrspurigen Kraftfahrzeugen und KraftrĂ€dern mit Beiwagen verboten, einspurige Fahrzeuge, zum Beispiel Radfahrende, zu ĂŒberholen. Das Überholen soll verboten werden, wenn besondere örtliche VerhĂ€ltnisse vorliegen. Besondere örtliche VerhĂ€ltnisse sollen zum Beispiel in gefahrentrĂ€chtigen Abschnitten, Engstellen sowie bei GefĂ€llen und Steigungen vorliegen. Insofern kann ein Überholverbot von einspurigen Fahrzeugen aus GrĂŒnden der Verkehrssicherheit angeordnet werden.

Fahrradzone – hier haben Radfahrende Vorrang
Mit dem neuen Verkehrszeichen „Fahrradzone“ können grĂ¶ĂŸere Bereiche nach den Regeln fĂŒr Fahrradstraßen eingerichtet werden. Radfahrende haben hier Vorrang, Autos dĂŒrfen höchstens 30 km/h fahren und mĂŒssen hinter Radfahrenden zurĂŒckbleiben.

Radschnellweg – hier geht es zĂŒgig und sicher voran
Das neue Verkehrszeichen kennzeichnet den Beginn und Verlauf von Radschnellwegen, wie sie in vielen Metropolregionen derzeit geplant und gebaut werden. Radschnellwege sind breite, vom Autoverkehr weitgehend getrennte und idealerweise kreuzungsfreie Radvorrangrouten. Auf Radschnellwegen können auch lĂ€ngere Strecken zĂŒgig und sicherzurĂŒckgelegt werden, beispielsweise von Pendlern.

Lastenrad – die neue Art des Transports
Mit dem neuen Zusatzzeichen „Lastenfahrrad“ können extragroße ParkplĂ€tze oder spezielle Lieferzonen fĂŒr Transport-FahrrĂ€der eingerichtet werden.

HaifischzĂ€hne – hier mĂŒssen Autos abbremsen
Wer oft in den Niederlanden unterwegs ist, kennt sie schon: die „HaifischzĂ€hne“. Diese an EinmĂŒndungen auf die Fahrbahn gemalten Dreiecke zeigen mit der Spitze auf herannahende Autos – und signalisieren ihnen so die Vorfahrt des Radwegs. Mit der neuen StVO können sie auch in Deutschland eingesetzt werden.

 

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