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25.12.2010 eingestellt von: Mario Schuller


Allg├Ąuer Alpen

Vier Tage vom 24. bis 27. August 2007 durch die Allg├Ąuer Alpen. Acht Teilnehmer legen 220 Kilometer zur├╝ck und bew├Ąltigen 5.500 H├Âhenmeter.

Um 7.45 Uhr am 24. August 2007 treffen sich die acht Tourteilnehmer am Nauheimer Bahnhof. Der Wetterbericht hat f├╝r das ganze Wochenende gutes Wetter vorhergesagt. Folglich ist die Stimmung der Teilnehmer pr├Ąchtig. Um 12.16 Uhr kommt die Gruppe - nach Umsteigen in Ulm - so rechtzeitig in Immenstadt an, dass sie genug Zeit hat, gleich hinter dem Ort an einem sch├Ânen Badesee erst einmal etwas zu essen. In Sonthofen biegt die Gruppe von der Iller ab und f├Ąhrt an der Ostrach entlang ├╝ber Bad Hindelang Richtung Oberjoch. Die erste Bergpr├╝fung, die Jochstra├če mit ihren neun Kehren von 840 auf 1178 Meter ├╝.NN wird ohne Schwierigkeiten gemeistert. An einem herrlichen Aussichtspunkt in 1040 m H├Âhe legt die Gruppe eine Rast ein, genie├čt den wundersch├Ânen Blick hinunter ins Ostrachtal Richtung Sonthofen und stellt sich dem Fotografen f├╝r ein Gruppenfoto. Hinter Schattwald kommen sie im Verlauf des Tannheimer Tals an die Vils und fahren an diesem Bach aufw├Ąrts. Nach einem Abstecher von Tannheim zum Vilsalpsee und einer gem├╝tlichen Einkehr am Seeufer f├╝hrt die Gruppe zur├╝ck nach Tannheim. Am s├╝dlichen Ufer des Haldensees entlang verl├Ąuft die Radroute weiter auf gut fahrbarer Schotterpiste. In Nesselw├Ąngle am Fu├č der 2240 m hohen K├Âllenspitze erreicht die Gruppe eine gem├╝tliche Pension, deren Besitzerin sie bereits erwartet. Ein ausgezeichnetes Abendessen in einem nahe gelegenen Gasthof rundet den herrlichen Tag mit Prachtwetter ab.

Wieder strahlendes, aber um 9 Uhr des zweiten Tages noch ziemlich k├╝hles Wetter. Nach einem kurzen St├╝ck auf der Stra├če zum Gaichtpass biegt die Gruppe nach rechts ab, um der alten Passstra├če zu folgen, die jetzt ein sehr steiler Rad- und Wanderweg ist. Er verl├Ąuft in die Schlucht hinunter, in die sich der Weissenbach hineingegraben hat. Hoch ├╝ber uns sieht man die moderne Stra├čenbr├╝cke, die sich ├╝ber die Schlucht zwischen Gaichtspitze und Hahnenkamm spannt. In Wei├čenbach (887 m) werden in einem Supermarkt Tagesverpflegung und Getr├Ąnke eingekauft. Danach geht es am Lech entlang auf einem herrlich angelegten, gro├čenteils geteerten Radweg abseits der Stra├če. In Holzgau ist Mittagsrast in einem Gasthof ein. Danach geht es weiter bis Steeg, wo die Stra├če neben der Lechschlucht ziemlich pl├Âtzlich zu steigen anf├Ąngt. Hinter einer l├Ąngeren Lawinengalerie geht es erst einmal hinunter nach Lechleiten und dann in einem kurzen Anstieg hinauf nach Warth, wo die Gruppe genug Zeit f├╝r einen Kaffee hat, bevor sie weiter nach Lech f├Ąhrt, wo Klaus (einer der Tourenleiter) Zimmer in einer Pension reserviert hat. Vier der Gruppe fahren anschlie├čend noch etwa 7 km hinauf ins Zuger Tal. Phil l├Ąsst die drei anderen unterwegs stehen und zieht davon, w├Ąhrend die Drei am Unteren ├älpele in 1562 m H├Âhe den Ausflug beenden und wieder hinunter nach Lech zum Abendessen fahren. Die Nacht wird ziemlich k├╝hl, so dass man weiter auf gutes Wetter hoffen kann.

Ziemlich kalt ist es am Morgen des dritten Tages in Lech, aber der Himmel ist klar und der Gruppe wird sehr schnell warm, als sie wieder den kurzen Anstieg nach Warth hinauf f├Ąhrt. 178 m mu├č sie noch weiter hinauf. Dann erreicht die Gruppe den h├Âchsten Punkt ihrer Tour, den Hochtannbergpass mit 1675 m ├╝.NN. Mario ist schon ein St├╝ck weit auf der anderen Seite hinunter gefahren, als die Gruppe sich oben zum Gruppenfoto versammeln will und wird von Phil wieder zur├╝ckgeholt. Ein Gruppenfoto ist einfach Pflicht. Auf der Abfahrt nach Schr├Âcken kann J├╝rgen die Grenzen ausloten, die auf langen und steilen Abfahrten einem Faltrad mit kleinen R├Ądern gesetzt sind. Dessen Felgen durchlaufen bei gleicher Fahrgeschwindigkeit fast doppelt so oft die Bremszange wie die eines Normalrads, k├Ânnen jedoch die dabei aufgenommene Reibenergie nicht so schnell wieder an die Umgebungsluft abf├╝hren, weil ihre Au├čenfl├Ąchen viel kleiner sind als die von normal gro├čen Felgen. Es kommt, wie es mal kommen musste: Oberhalb von Schr├Âcken platzt mit lautem Knall J├╝rgens Hinterradschlauch. Aber er kommt mit dem Schrecken davon, weil oberhalb eine gro├če Stra├čenbaustelle war und deshalb die Autos nur schubweise ins Tal gelassen werden. Er hat also die ganze Stra├čenbreite f├╝r sich allein und kann sein Rad ohne zu st├╝rzen abfangen. Zum Gl├╝ck haben J├╝rgen und Phil zu Beginn der Tour ihre Handynummern ausgetauscht, so dass J├╝rgen nun die Gruppe telefonisch bitten kann, sich nicht zu sorgen, sondern auf seine Kosten mal erst Kaffee zu trinken. Als er nach dem in aller Ruhe vollzogenen Schlauchwechsel wieder aufschlie├čt, sind die anderen gerade mit dem Kaffee fertig und es geht sofort weiter. Im Tal der Bregenzer Ache verl├Ąuft streckenweise ein sehr sch├Ân angelegter Radweg abseits der Stra├če, auf dem man z├╝gig vorankommt. Die Gruppe f├Ąhrt weiter entlang der Bregenzer Ache bis Egg, das nur 561 m ├╝.NN liegt. Der Rest der heutigen Etappe ist Anstieg. Zun├Ąchst ziemlich steil hinauf nach Lingenau, wo man unterwegs Bungee-Springern zuschauen kann, die sich von einer hohen Br├╝cke hinab in ein enges Tal st├╝rzen. Anschlie├čend werden sie mit einer Seilwinde wieder herauf geholt. Da keiner der Gruppe Lust hat, auch mal einen Sturz in die Tiefe zu wagen, h├Ąlt sie sich nicht allzu lange hier auf, sondern f├Ąhrt, jeder so schnell, wie er Lust hat, weiter bis Hittisau, wo sie sich wieder sammeln, bevor sie Richtung H├Âflealm nach Osten abbiegen. In steilen Stufen verl├Ąuft die sehr schmale Stra├če, die ab dem winzigen ├ľrtchen Reute Mautstra├če ist. An der Mautstelle stellt J├╝rgen fest, dass sein Hinterradreifen Luft verliert und flickt erst mal das kleine Loch, das er bei der Herausnahme des Schlauchs findet. Der kleine Aufenthalt scheint dem Rest der Gruppe keineswegs ungelegen zu kommen. Anschlie├čend geht es weiter, vorbei am Leckner See, einem kleinen Badesee, bis zum Etappenziel H├Âflealm oberhalb des Leckenbachs, der dieses wundersch├Âne Seitental durchflie├čt. Seine Quelle liegt etwa in der Mitte der Verbindungslinie Balderschwang - Hochgrat. Nach einer Flasche Bier macht sich J├╝rgen sogleich daran, das Hinterrad gr├╝ndlich zu flicken. Danach startet er zu einer kurzen Probefahrt, an deren Ende sich mit lautem Knall sein zweiter und letzter Schlauch verabschiedet. H├Ątte er sich die Reifendecke vor dem Aufpumpen n├Ąher angeschaut, h├Ątte ihm auffallen m├╝ssen, dass sich die Vulkanisierung um die Dr├Ąhte herum durch die Hitze bei der Abfahrt hinunter nach Schr├Âcken teilweise gel├Âst hatte. Deshalb fand der Reifenwulst keinen Halt mehr in der Felge. "Was tun?" sprach Zeus. W├Ąhrend sich J├╝rgen im Geiste schon Heu in den Reifen stopfen sieht, um so wenigstens zu Fu├č morgen fr├╝h ├╝ber den Pass zu kommen, verordnen ihm die anderen erst einmal Ruhe, Essen und ein weiteres Bier. Dann denken sie sich gemeinsam eine L├Âsung aus und finden sie auch. Phil opfert einen seiner d├╝nnen Schl├Ąuche, der doppelt um die Hinterradfelge von J├╝rgens Birdy geschlungen wird. Aufgepumpt wird nur (sehr) m├Ą├čig. Dann eine kurze Probefahrt und siehe da: Radfahren ist wieder m├Âglich. Vor dem Zubettgehen in den spartanisch eingerichteten Zimmern der Alm musste nat├╝rlich die Rettungsaktion mit einer Runde doppelten Obstlers gekr├Ânt werden, was den einen oder anderen der Gruppe dazu anregte, sich anschlie├čend zur Abwechslung auch mal mit einem Enzian anzufreunden.

Nach einem kr├Ąftigen Fr├╝hst├╝ck am Morgen des vierten und letzten Tages f├Ąhrt die Gruppe schon kurz vor neun Uhr hinauf zur Grenze ├ľsterreich/Deutschland. Bis zur Grenze noch Asphalt. Danach ein Weg, der streckenweise einem ausgewaschenen Bachbett gleicht. Links voraus der Hochgrat mit seinen 1833 m. Au├čer der Gruppe ist zun├Ąchst kaum jemand zu sehen. Dann ein paar Wanderer, Zeichen daf├╝r, dass man sich einem Parkplatz n├Ąhert. Und richtig: Bis zur Scheidewangalm in 1316 m H├Âhe kann man von Sonthofen herauf mit dem Auto fahren. W├Ąhrend die anderen dort mal erst einen zweiten Kaffee zu sich nehmen, f├Ąhrt J├╝rgen vorsichtigerweise langsam voraus und k├╝hlt auf dem oberen Steilst├╝ck sorgf├Ąltig immer wieder die Felgen mit einem nassen Lappen. Am Ortseingang von Gunzesried hat er aber doch noch Zeit f├╝r eine kleine Pause, bis von oben die anderen nachrollen. Ab Sonthofen f├Ąhrt die Gruppe wieder an der Iller entlang. Den kleinen See am Ortsausgang von Immenstadt passiert sie diesmal ohne Halt und f├Ąhrt z├╝gig weiter. Einen Stopp muss die Gruppe allerdings einlegen, weil ausnahmsweise mal ein anderer Mitfahrer einen Platten hat. Ab Martinszell geht es auf wenig befahrenen Nebenstra├čen bis vor Kempten. In Kempten selbst noch ein paar kleine Umwege, bevor die Gruppe die richtige Stra├če zum Bahnhof erwischt. Sie haben noch genug Zeit f├╝r einen Kaffee, bevor sie der Regionalexpress nach Ulm bringt. In Ulm noch einmal ein l├Ąngerer Aufenthalt, den die Gruppe zum Mittagessen direkt neben dem Ulmer M├╝nster nutzt. Dann geht es heim und eine weitere wundersch├Âne Radtour kann den Erinnerungen an die vielen anderen Touren im Leben engagierter Fahrradtouristen hinzugef├╝gt werden.

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